Der Weise lebt in Übereinstimmung mit der Natur, die mit der Vernunft und gleichzeitig mit der Tugend identifiziert wird, dem höchsten Gut der Stoiker.
In allen seinen Handlungen zeigen sich in gleichem Masse alle vier Kardinaltugenden:
Weisheit (lat. prudentia) / (gr. phronesis) meint im antiken Verständnis nicht so sehr eine wissensbasierte, sondern eine angewandte, praktische Weisheit, d.h. eine durch Erfahrung gewonnene Lebensklugheit. Sie zeigt sich in einer Abgeklärtheit im Sinne einer inneren Reife, die zugleich auch alle anderen Tugenden umfasst.
-> Klugheit, Urteilskraft, Intelligenz, Neugier, Weisheit im Handeln, sorgfältiges Abwägen, überlegtes und bedachtes Handeln
Mässigung (lat. temperantia) / (gr. enkrateia) ist eine weitere wichtige charakterliche Fähigkeiten für einen Stoiker, um – auch in schwierigen Situationen – eine vernünftige Entscheidung treffen zu können.
-> Selbstdisziplin, Besonnenheit, Organisation, Ordentlichkeit, Bescheidenheit, Versöhnungsbereitschaft, Selbstbeherrschung
Tapferkeit (lat. fortitudo) / (gr. andreia) meint heute so etwas wie (Zivil-) Courage. Es ist der Mut, das Richtige zu tun, auch (und gerade) wenn man dafür sogar die eigenen Vorurteile in Frage stellen und über den eigenen Schatten springen muss.
-> Mut, Ausdauer, Vertrauen, Grossherzigkeit, Ehrlichkeit, Kraft, Beharrlichkeit, Zuversicht.
Gerechtigkeit (lat. iustitia) / (gr. dikaiosyne) könnte man heute besser mit Fairness übersetzen. Es ist die Fähigkeit, mit anderen gut umgehen zu können, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, sich ihnen (unabhängig von ihrem Status und Ansehen) freundlich zuzuwenden und sie anständig zu behandeln.
-> Integrität, Wohlwollen, Gutherzigkeit, Dienst an der Allgemeinheit, gerechtes Handeln, Fairness, Gleichheitssinn