Um die Philosophie der Stoa zu leben, genügt es nicht, ihre Prinzipien zu kennen; man muss sich ihre Haltung zu Eigen machen. Die Grundhaltung der Stoiker ist zunächst von (Seelen-) Ruhe geprägt. Jedoch hat die „Stoische Ruhe“ verschiedene Facetten, die durch drei Begriffe zum Ausdruck gebracht wird, die sich überschneiden und zusammenhängen - Ataraxia, Apatheia und Autarkeia:
Ataraxia (Seelenruhe/Unerschütterlichkeit): Ataraxia bezeichnet den Zustand der vollkommenen Seelenruhe, unerschütterlichkeit und Unverwirrtheit. Es ist die Befreiung von Ängsten, Sorgen und emotionaler Unruhe, insbesondere gegenüber Widrigkeiten des Schicksals (z. B. Verlust, Krankheit). Der Stoiker erreicht Ataraxia, indem er lernt, zwischen Dingen zu unterscheiden, die er kontrollieren kann (eigene Gedanken, Urteile, Handlungen), und denen, die er nicht kontrollieren kann (äußere Ereignisse, Meinung anderer).
Apatheia (Freiheit von Leidenschaften/Affekten): Apatheia ist oft missverstanden als blosse "Apathie" (Teilnahmslosigkeit). Im Stoizismus bedeutet es jedoch die Abwesenheit von Affekten (pathos) – also von irrationalen, übertriebenen oder schädlichen Gefühlen. Dies beinhaltet nicht die Unterdrückung aller Gefühle, sondern die Kontrolle über Emotionen wie Zorn, Hass, Neid oder Angst. Diese werden als "Krankheiten der Seele" angesehen, die das rationale Urteilsvermögen trüben.
Autarkeia (Selbstgenügsamkeit/innere Unabhängigkeit): Autarkeia ist die Unabhängigkeit von äusseren Umständen, Gütern oder der Anerkennung durch andere. Sie beschreibt eine Form der inneren Freiheit, bei der das eigene Glück nicht von materiellem Besitz, Status oder Wohlstand abhängt. Es bedeutet, die eigene innere Haltung zur einzigen Quelle des Glücks zu machen. Geld und andere materielle Dinge können genutzt werden, sind aber für das "gute Leben" nicht essenziell und somit gleichgültig.